Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, seit meiner ersten Zukunftskonferenz als Berater und Moderator 2004: Das Thema war die Jugendarbeitslosigkeit, Veranstalter war die AMOSA, ein Zusammenschluss der Arbeitsmarktbehörden von 10 Kantonen. Seither fasziniert mich die Kraft und Effizienz dieser Methode. Im aktuellen Blogbeitrag gehe ich auf drei grundlegende Fragen ein: Für wen und in welchen Situationen macht eine Zukunftskonferenz Sinn? Welchen Nutzen bringt eine Zukunftskonferenz? Was sind die kritischen Erfolgsfaktoren einer Zukunftskonferenz?
Noch heute sind in der ganzen Schweiz Spuren der damaligen Zukunftskonferenz sichtbar. Im Kanton Aargau zum Beispiel wurde aus der Konferenz heraus die Zusammenarbeit zwischen dem Wirtschafts- und dem Bildungsdepartement verstärkt und in der Folge konnten diverse Projekte konkret umgesetzt werden.
Noch ein Hinweis: Ich beschreibe hier nicht, wie eine Zukunftskonferenz abläuft. Wenn Sie sich zuerst über die Methode selbst informieren möchten, können Sie das hier und hier tun.
Für wen und in welchen Situationen macht eine Zukunftskonferenz Sinn?
Eine Zukunftskonferenz passt immer dann, wenn es um komplexe Probleme geht, zu deren Lösung Beiträge von unterschiedlichsten Personen, Organisationen bzw. Institutionen notwendig sind. Die Zukunftskonferenz bringt nur lose oder überhaupt nicht in Verbindung stehende Personengruppen in einen intensiven Austausch. Im weiteren passt diese Arbeitsform, wenn zur Problemlösung nicht die eine, richtige Lösung zu erwarten ist, sondern viel mehr eine grosse Anzahl verschiedenartigster Massnahmen, die das Problem auf unterschiedlichster Ebene und von vielen Seiten gleichzeitig angehen.
Ein konkretes Beispiel dafür ist meine letzte Zukunftskonferenz mit dem Titel: Berufswelten erlebbar machen. Hier ging es um die Problemstellung, wie Jugendliche bei ihrer ersten Berufswahl die reale Berufswelt bestmöglich erleben können. Als Teilnehmende kamen hier Berufsberater, Lehrer, Lernende, Schüler, Ausbildner aus Unternehmen, Berufsverbände und noch weitere Beteiligte zum Thema zusammen. Damit der Stein ins Rollen kommt, braucht es lediglich jemanden, der die Initiative ergreift und das Thema angeht. Typischerweise ist das diejenige Organisation, welche entweder von Amtes wegen dafür zuständig ist oder aus anderen Gründen ein grosses Interesse daran hat, dass das Problem nachhaltig gelöst wird. Diese Bedingungen treffen oft auf gesellschaftliche Themen zu (Regionalentwicklung, soziale und ökologische Themen). In der Wirtschaft können Zukunfskonferenzen im Rahmen von Organisationsentwicklungen eingesetzt werden. Oder immer dann, wenn Themen über Firmengrenzen hinweg bearbeitet werden sollen, z.B. in Netzwerken, Konglomeraten, Verbänden usw.
Welchen Nutzen bringt eine Zukunftskonferenz?
Mit einer Zukunftskonferenz werden das Wissen, die Erfahrung und das kreative Potenzial der zahlreichen Teilnehmenden nutzbringend gemacht. Es werden ganz gezielt 60 bis 100 Teilnehmende aus unterschiedlichen Interessengruppen mit Bezug zum Thema eingeladen. Somit ist in der Regel alles Wissen, was man zum Thema haben kann, in einem Raum versammelt! Meines Erachtens noch bedeutender und für die Nachhaltigkeit relevanter sind aber zwei weitere Nutzenaspekte.
- Es werden neue Netzwerke und Kooperationen ermöglicht. Ich sehe immer wieder, wie die Teilnehmenden darüber staunen, wer sich sonst auch noch mit einem für sie selbst wichtigen Thema befasst. Das macht neugierig, diese Menschen und ihre Erfahrungen kennen zu lernen. Oder aber – auch das habe ich mehrfach beobachten können - treffen sich Leute zum ersten Mal persönlich, die schon lange voneinander wissen, voneinander gelesen haben und ohne sich je getroffen zu haben sehr wohl die Arbeit von einander zur Kenntnis genommen haben. An der Konferenz wird sofort erlebbar, welchen Nutzen man von einem persönlichen Austausch erwarten kann.
- Es entsteht eine grosse Energie und Motivation, welche durch die geschickte Auswahl der Teilnehmenden durch diese viral ausgebreitet werden. Die typischen Zukunftskonferenz Themen haben es an sich, dass sich alle damit befassenden Personen normalerweise eher ohnmächtig und nicht im Stand fühlen, wirklich etwas zum Guten zu verändern. Zu komplex ist das Problem – zu klein der eigene Einflussbereich. An der Zukunftskonferenz wird dann aber deutlich, dass man ja nicht alleine ist. Wenn jeder innerhalb seines Wirkungskreises seine Möglichkeiten nutzt, ist die Veränderung möglich!
Die Methode fördert das gemeinsame Verständnis der Problemstellung mit all seinen Facetten. Oft habe ich gestaunt, wie Vertreter von unterschiedlichen Organisationen, welche sich normalerweise jeweils als “Gegner” erleben (z.B. die Sozialpartner damals an der Jugendarbeitslosigkeits-Konferenz), sich nun plötzlich gemeinsam in der Verantwortung sehen, Beiträge zur Problemlösung beizusteuern. Weil der Fokus auf der Zukunft und den Lösungen liegt, fühlen sich alle Teilnehmenden wertvoll, wenn sie auch nur einen Teilbeitrag zur Verbesserung leisten können. Es wird nicht nach Schuldigen gesucht und es wird erstaunlich wenig um Positionen gekämpft!
Was sind die kritischen Erfolgsfaktoren einer Zukunftskonferenz?
Eine Zukunftskonferenz ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Allheilmittel. Es gibt zahlreiche kritische Erfolgsfaktoren. Wird auf diese entsprechende Aufmerksamkeit gerichtet, erhöhen sich die Erfolgswahrscheinlichkeiten!
- Es braucht eine starke Trägerschaft, welche den Willen und die Mittel hat, das Thema anzugehen und die notwendige Koordination zu übernehmen.
- Entscheidend ist die vorbereitende Steuergruppe, in welcher die wichtigen Stakeholder des Problems vertreten sind. Es ist auch wichtig, dass die Mitglieder der Steuergruppe innerhalb der Gruppierung, die sie vertreten gut vernetzt und entsprechend einflussreich sind.
- Genügend Zeit, um alles professionell vorzubereiten. In der Regel heisst das 8 – 14 Monate Vorbereitungszeit!
- Professionelles Projektmanagement, weil es hier nicht “nur” um eine einzelne Veranstaltung geht, sondern um ein Vorhaben, das sich in der Regel über mindestens 18 – 24 Monate ausdehnt.
- Ein schlagkräftiges Projektteam, welches die notwendige Arbeitszeit aufbringen kann. Insbesondere in den Wochen vor der Konferenz selbst ist der Aufwand in der Regel erheblich.
- Die richtige Teilnehmerauswahl ist der wichtigste Punkt überhaupt. Die Teilnehmenden müssen die themenspezifischen Kompetenzen mitbringen und ein echtes Interesse an der Problemstellung haben. Sie müssen in der Gruppierung, die sie vertreten gut vernetzt sein und dort optimalerweise über Entscheidungskompetenz verfügen.
- Profis in allen Rollen an der Veranstaltung selbst: Moderation, Facilitating (Empfang, Teilnehmeradministration und -betreuung, Ergebnissicherung), Catering, Technik
- Eine optimale Infrastruktur. Eine Zukunftskonferenz hat ganz spezifische Anforderungen an die Räumlichkeiten und Einrichtungen, die zur Verfügung stehen.
- Eine konsequente Nachbearbeitung der Konferenz. Das beginnt bei der Ergebnissicherung und dem Protokoll, geht über die Koordination der weiteren dezentralen Aktivitäten und endet bei der Organisation einer Ergebniskonferenz, einige Monate nach der eigentlichen Zukunftskonferenz selbst.
Und noch ein weiterer Tipp zum Schluss: Bereits die Themenbenennung bzw. -abgrenzung ist weichenstellend für den späteren Erfolg. Es lohnt sich, frühzeitig darüber mit einem erfahrenen Fachmann zu sprechen.









